Fertigfutter

Fütterung von Hund und Katze

Was steckt in der Dose?

Autorin: Gabriele Herfurth | Tierheilpraktikerin

Wenn Sie für Ihren Hund oder Ihre Katze Fertigfutter kaufen, werfen Sie sicherlich einen Blick auf die Zutatenliste bzw. auf die Deklaration. Auch unsere vierbeinigen Mitbewohner haben Vorlieben, der eine bevorzugt lieber Fisch, der nächste verschmäht sämtliche Geflügelarten und der dritte liebt alles, was in Soße schwimmt.

Neben den einzelnen Bestandteilen des Futters, befinden sich auf den Dosen meist Angaben zu möglichen Zusatzstoffen.
Was auf der Dose stehen muss, sind die sogenannten Rohanalysedaten – doch was sagen sie genau aus?

Die Weender Analyse

Bei der Weender-Analyse handelt es sich um ein Standardverfahren zur Ermittlung folgender Inhaltsstoffe:

  • Rohprotein
  • Rohfett
  • Rohasche
  • Rohfaser
  • Feuchtigkeit

Aus diesen fünf Inhaltsstoffen gibt es noch den NfE-Wert (stickstofffreie Extrastoffe), der allerdings nicht deklarierungspflichtig ist und daher seltener auf einer Dose zu finden ist.

Das Weender-Analyse-Verfahren birgt ein paar Tücken, die es zu berücksichtigen gilt.
Das Verfahren wurde zu einer Zeit entwickelt, als es noch keine Futtermittel für Haustiere gab. Es stammt zudem ursprünglich aus der Landwirtschaft und zielte darauf ab, Futtermittel für Nutztiere zu optimieren. Nun haben Rinder und Schweine andere Bedürfnisse als Hunde oder Katzen. Dennoch  wurde das Verfahren mehr oder weniger 1:1 auf das Heimtierfuttermittel angewandt.

Ein Aspekt ist besonders wichtig: Die Analyse ist nicht 100 % genau! Man geht teilweise von statistischen Werten aus oder differenziert die einzelnen Bestandteile einer Kategorie, nicht im Detail.

Für Sie als Käufer ist es außerdem gut zu wissen
Nicht jede Charge muss analysiert werden. Es kann also sein, dass es zu Abweichungen zwischen verschiedenen Chargen eines Futters kommen kann, die Sie als Kunde jedoch nicht nachvollziehen können.
Nur, wenn ein Futtermittel neu auf den Markt gebracht werden soll oder die Rezeptur grundlegend verändert wurde, besteht eine Analyse-Pflicht.

Rohprotein

Was steckt aber nun hinter den einzelnen Analysewerten?
Eines noch vorweg: Es handelt sich bei den einzelnen Angaben immer um den Mindestgehalt.

Mit Rohprotein wird der Stickstoffanteil im Futter angegeben.

Problem: Dabei werden alle stickstoffhaltigen Verbindungen erfasst, natürlich auch das gewünschte tierische Protein. Aber wenn dem Futter zum Beispiel die Aminosäure Tryptophan beigesetzt wird, wird diese auch zum Rohprotein gezählt, weil Aminosäuren Stickstoff enthalten. Unter Rohprotein wird auch pflanzliches Protein erfasst.

Die Angabe „Rohprotein“ gibt ohne die Kenntnis von Zutaten und weiteren Inhaltsstoffen keinen Hinweis auf die Qualität oder Verwertbarkeit des Futters. Auch die Herkunft des jeweiligen Proteins kann ohne weitere Informationen nicht nachvollzogen werden.

Durchschnittlicher Rohproteingehalt:
Katzenfutter nass: 8 % – 14 %
Hundefutter nass: 8 % – 12 %

Rohfett

Zum Rohfett zählen enthaltene Fette, essenzielle Fettsäuren, fettlösliche Vitamine, aber auch Wachse und fettlösliche Farbstoffe. Über den Rohfettgehalt lassen sich gut Aussagen über die Energiedichte des Futters treffen.

Problem: Allerdings lassen sich auch hier keine Rückschlüsse über die Qualität der einzelnen Fette und Öle ziehen. Es kann sich um tierisches oder pflanzliches Fett handeln, was Einfluss auf den Nutzen und die Verwertbarkeit für das jeweilige Tier hat.

Durchschnittlicher Rohfettgehalt:
Katzenfutter nass: 5 % – 7 %
Hundefutter nass: 3 % – 8 %

Rohasche

Rohasche entsteht, wenn das Futter bei 550 Grad sechs Stunden verbrannt wird. Das, was nach diesem Vorgang übrig bleibt, sind anorganische Bestandteile des Futters: Mineralstoffe und Spurenelemente. Ob es sich um natürliche oder künstlich zugeführte Mineralstoffe und Spurenelemente handelt, ist hierbei egal. Rohasche wird nicht dem Futter beigemischt!

Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass im Nassfutter der Rohaschegehalt zwischen 1 % und 2,5 % liegt.
Liegt der Wert deutlich darüber, kann dies ein Anzeichen dafür sein, dass in dem Futter Nährstoffe vorhanden sind, aus denen Ihr Hund und Ihre Katze nichts gewinnen kann. Zum Beispiel können das Federn, Horn, Erde oder sogar Sand sein.
Ein zu niedriger Rohaschegehalt ist auch nicht empfehlenswert, denn das bedeutet, dass  Mineralstoffe und Spurenelemente nicht in ausreichender Menge vorhanden sind.

Rohfaser

Bei Rohfasern handelt es sich um schwer- oder unverdauliche Inhaltsstoffe, meist pflanzlicher Natur.
Sie werden dem Futter beigefügt, um die Darmmotorik zu regulieren und zu unterstützen.

Ein hoher Rohfasergehalt kann dazu führen, dass das Futter zu schnell den Darm passiert und dadurch Nährstoffe nicht ausreichend aufgenommen werden können. Die Folge ist meist weicher Kot. Daher sollten Sie auf einen möglichst niedrigen Rohfasergehalt im Nassfutter achten.

Ein Nassfutter ohne Rohfaser ist nicht zu empfehlen, da die Darmtätigkeit so beeinflusst werden kann, dass entweder das Futter zu lange im Darm verbleibt, was die Entstehung unerwünschter Bakterien unterstützt oder es gar zu Verstopfung kommt.

Durchschnittlicher Rohfasergehalt:
Katzenfutter nass: 0,2 % – 1 %
Hundefutter nass: 0,5 % – 1 %

Feuchtigkeit

Feuchtigkeit im Nassfutter ist nicht von Grund auf schlecht. Über die Feuchtigkeit des Futters decken Hunde und Katzen den Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs. Je weniger Feuchtigkeit im Futter vorhanden ist, desto mehr Flüssigkeit müssen die Tiere durch zusätzliches Trinken aufnehmen. Gerade bei Katzen ist dies schwierig, denn sie decken ihren Feuchtigkeitsbedarf hauptsächlich über die Nahrung und trinken von Natur aus eher wenig.

Ein Nassfutter sollte einen Feuchtigkeitsgehalt zwischen 70 % bis 85 % aufweisen.

Sichtbare Feuchtigkeit im Nassfutter kann ein Hinweis darauf sein, dass keine oder nur sehr wenig Verdickungsmittel verwendet wurden. Im Grunde ist dies ein positiver Aspekt, denn immer mehr Hunde und Katzen reagieren allergisch auf Verdickungsmittel, teilweise stehen sie auch im Verdacht, Krebserkrankungen auszulösen.

Zuviel sichtbare Feuchtigkeit kann allerdings auch ein Anzeichen dafür sein, dass der Hersteller die Masse des Futters „strecken“ wollte.

Was nutzen diese Rohanalysewerte nun?

Sie können Ihnen beim Kauf einen ersten Eindruck über die Qualität des Futters geben. Mehr aber auch leider nicht. Selbst wenn sich das Nassfutter im Bereich der Richtlinien liegt, ist das noch kein Beweis für ein qualitativ hochwertiges Futter.

Rohprotein, Rohfett und Co. sollten immer im Zusammenhang mit anderen Angaben aus der Deklaration gesehen werden. Welches Fleisch wurde verwendet, ist Gemüse oder Obst enthalten, wurden Öle zugesetzt und welche weiteren Zusatzstoffe sind vorhanden. Erst die Gesamtheit der Deklaration gibt Ihnen eine Antwort auf die Fragen: Was steckt in der Dose? Möchte ich das meinem vierbeinigen Freund füttern?